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Edingerische Mundart

Die Zeiten ändern sich

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Der Begriff „Zeitwort”

Grammatische Zeiten

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Der alte lateinische Spruch „Tempora mutantur et nosmet cum iis” (Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen) gilt nicht nur für die gesamte Menschheitsgeschichte im Allgemeinen, sondern auch für die Geschichte der meisten menschlichen Sprachen. Die Auffassung von der Zeit und ihr Ausdruck in der grammatischen Terminologie haben sich immer wieder geändert und haben in vielen Sprachen ganz spezifische Formen angenommen. Bei den europäischen Sprachen wurde dieses Problem jedoch lange Zeit dadurch verschleiert, dass mehr oder weniger unbesehen die Ausdrücke der lateinischen Grammatik auch über Sprachen gelegt wurden, zu denen sie nicht immer so richtig passen.

Zeit wird nach unserem heutigen indogermanischen Verständnis hauptsächlich von zwei Wortarten ausgedrückt: den Umstandswörtern der Zeit (Temporaladverbien) und den Zeitwörtern (Verben). Während bei den Adverbien aufgrund ihrer klaren Zweckbestimmung keine größeren Probleme im Raum stehen, kommt es bei den Zeitwörtern immer wieder zu Diskussionen, die wir im Folgenden aufreißen wollen, um unsere eigene Begriffswelt für das Edingerische zu erläutern.

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Der Begriff „Zeitwort”

Als ich als kleiner Junge in die Schule kam, lernte ich zunächst, dass Wörter wie „gehen” oder „arbeiten” Tunwörter seien. Dabei wunderte mich zwar, dass auch liegen, schlafen, sein und werden Tätigkeiten sein sollten, aber im Großen und Ganzen konnte ich damit leben. Später tröstete mich sogar die Mengenlehre, da sie mir beibrachte, auch eine leere Menge, also eine Menge aus nichts, als Menge aufzufassen.

Als dann das Tunwort in Zeitwort umgetauft wurde, fand ich das gar nicht so schlecht, denn zugleich lernte ich die Unabwendbarkeit der Zeitaussage bei diesen Wörtern unserer Sprache kennen. Dass ein Zeitwort neben der Zeit auch noch andere Dinge ausdrücken kann (die in manchen Fällen sogar zur Hauptsache werden können), wurde uns im Deutschunterricht eigentlich bis zum Abitur vorenthalten, womit die Lehrer anderer Sprachen dann ihre Probleme hatten. Man denke nur an das Englische mit seinen allgegenwärtigen Verlaufsformen und seiner völlig anders gearteten Abgrenzung der Gegenwart gegenüber den anderen Zeiten oder an die romanischen Sprachen mit ihrer für uns Deutsche ungewöhnlichen Unterscheidung des Gebrauchs der Imperfekt- und Perfektformen oder an die slawischen Sprachen, diese Weltmeister im Ausdrücken von Verbalaspekten (Dauer, Wiederholung, Plötzlichkeit, Beginn, Vollendung, Unvollendetheit, ...).

Am Rande sei gesagt, dass auch der lateinische Begriff Verb nicht unproblematisch ist, da er nicht mehr und nicht weniger als „Wort” bedeutet. Das ist so, wie die Eskimos sich selbst „Inuit” (Menschen) nennen, weil sie traditionell keine anderen als sich selbst kannten. Das Zeitwort also als das Wort schlechthin? Damit ist es wohl überfordert, denn es gibt auch Sätze ohne Zeitwort. In anderen Sprachen sowieso (z.B. in den semitischen, den finno-ugrischen und den slawischen Sprachen sind Nominalsätze, d.h. zeitwortlose Sätze, an der Tagesordnung), aber auch im Deutschen. Neben zeitwortlosen Ausrufen wie „Au Backe!” gibt es in der schönen Literatur auch zeitwortlose Wortgemälde wie folgender Anfang einer fiktiven Kurzgeschichte: „Grelle Sonne über dürrer Landschaft. Pflanzen ohne Zukunft. Hier und da ein ein Huftier kurz vor dem Tod. Stille. - Plötzlich ein Knall!” usw. usf. Salopp ausgedrückt, geht es also auch (fast) ohne Verben!

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Grammatische Zeiten

Für die Zeiten lernten wir in der Grundschule die deutschen Ausdrücke Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft sowie die dazugehörige Vorgegenwart, Vorvergangenheit und Vorzukunft kennen. Dieses System schien größtenteils in sich schlüssig zu sein. Nur der Unterschied zwischen Vergangenheit und Vorgegenwart passte nicht immer, denn mit der Vorgegenwart konnte man auch abgeschlossene vergangene Handlungen ausdrücken. Und warum „ich ginge” als ein Ausdruck der Vergangenheit galt, obwohl er eine Möglichkeit für Gegenwart oder Zukunft ausdrückte, hätte mich schon ins Grübeln bringen sollen.

Im Gymnasium kamen dann die lateinischen Ausdrücke zum Zug, und man versuchte uns klarzumachen, dass es eine ein-eindeutige Zuordnung zwischen jedem deutschen Begriff und seinem lateinischen Gegenüber gebe. Aber das stimmte nur formal und stimmt der Bedeutung nach auch heute noch nicht. Die lateinischen Begriffe passen zur lateinischen Grammatik, aber nur bedingt zur deutschen. Das deutsche Imperfekt (ehemals Vergangenheit) drückt eben nicht nur unvollendete Handlungen der Vergangenheit aus. Im Gegenteil ist es im Hochdeutschen die normale Erzählzeit, in der ganze Reihen abgeschlossener Handlungen hintereinander aufgezählt werden können. Das Perfekt (ehemals Vorgegenwart) ist im Hochdeutschen - im Gegensatz zum Latein - nicht die normale Erzählzeit der Vergangenheit, sondern drückt einerseits in Nebensätzen die Vorzeitigkeit zu einer gegenwärtigen Handlung aus (daher der nicht so schlechte deutsche Begriff der Vorgegenwart) und dient andererseits der abschließenden Betrachtung vergangener Handlungen (die selbst nicht unbedingt abgeschlossen sein müssen). Das Perfekt trägt daher im Deutschen zu Unrecht seinen lateinischen Namen. Aber dem Unterschied zwischen der Zeitdimension einer Handlung und der Betrachtung dieser Handlung wird von der Schulgrammatik in der Regel keine Aufmerksamkeit geschenkt.

Randbemerkung: Dass eine Sprache auch mit Zeitwörtern auskommen kann, die keine Zeit ausdrücken, zeigt z.B. das antike Hebräisch (wogegen das moderne Hebräisch das indogermanische Zeitraster Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft nachbildet).

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Edingerische Zeiten

Da es meines Erachtens kaum eine Möglichkeit gibt, den Formen und dem Sinn der grammatischen Zeiten in eindeutigen Ausdrücken voll Genüge zu tun, beschränke ich mich darauf, mich dem Sinn so weit zu nähern, dass sich ein einigermaßen schlüssiger Gesamteindruck ergibt. Hier sind also meine edingerischen Zeiten:

Zeit

Beispiel

Erläuterung

Gegenwart / Zukunft

isch fahr (ich fahre)

isch draag (ich trage)

Die Formen der Gegenwart werden in diesem Dialekt auch für die Zukunft verwendet. Zur Verdeutlichung wird bei Bedarf ein Zeitadverb beigefügt.

Vergangenheit / Vorgegenwart

isch bin gfahre (ich fuhr / ich bin gefahren)

isch hebb gedraare (ich trug / ich habe getragen)

In diesem Dialekt wird jede Vergangenheit (einschließlich Vorvergangenheit) und auch die Vorzeitigkeit gegenüber der Gegenwart mit dem sog. zusammengesetzten Perfekt ausgedrückt. Nur bei einigen modalen Hilfsverben sind noch die syntethischen Imperfektformen in Gebrauch.

Vorvergangenheit

isch bin gfahre gewesd / isch waar gfahre (ich war gefahren)

isch hebb gedraare ghatt (ich hatte getragen)

Wenn das Plusquamperfekt überhaupt benutzt wird, kommen meist die Formen mit „bin gewesd” oder „hebb ghatt” zur Anwendung. Formen wie „isch waar gfahre” bedeuten bereits eine Annäherung ans Hochdeutsche und sind bei mit „hawwe” konjugierten Verben völlig ungebräuchlich.

Die verschiedenen Aussageweisen (Modi) passen sich an dieses Zeitschema an. Bei Zeitwörtern, wo es sinnvoll erscheint, unterscheide ich zwischen Wirklichkeit (entspricht dem Indikativ), Bedingung / Möglichkeit (entspricht dem Konditional oder Konjunktiv), Vermutung / Befürchtung (entspricht Teilen des Konjunktivs) und Aufforderung (entspricht dem Imperativ bzw. Jussiv)

Aber Irren ist menschlich. Jeder zielführende Verbesserungsvorschlag wird daher gern entgegengenommen. Sagen Sie mir Ihre Meinung! Vielen Dank im Voraus!

Hans-Rudolf Hower 2007

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Häufige Fragen - Webmaster

Letzte Aktualisierung: 04.04.16