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Inschriften in München (Innenstadt)

Gedenkstein für die Hauptsynagoge von München

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Nur ein paar hundert Meter vom Karlstor entfernt, gibt es folgendes Denkmal. Viel zu lange habe ich mich mit einem allgemeinen Eindruck von den darauf zu sehenden Inschriften zufrieden gegeben. Aber dann wollte ich es endlich genauer wissen. Und das ist dabei heraus gekommen:

Foto München Synagoge: Hauptinschrift von links

Hauptinschrift

   

Ankunft - Literatur

   

Alle Fotos dieser Seite:
Hans-Rudolf Hower 2002

Foto München Synagoge: Hauptinschrift von rechts

Foto München Synagoge: Seitliche Inschrift

Seitliche Inschrift

   

Innere Inschrift 1

Innere Inschrift 2

Foto München Synagoge: Innere Inschriften

Der Gedenkstein wurde 1968/69 von Herbert Peters gestaltet. Beachten Sie bitte die Blumen und Kerzen, die von dem unermesslichen vergangenen und immer gegenwärtigen Leid der Überlebenden des Holocaust zeugen.

Die hier folgenden Kommentare und Diskussionen werden vom Autor dieser Seiten bei aller inhaltlichen und formalen Auseinandersetzung mit dem Gedenkstein unter mitfühlender Verbeugung vor diesen Unglücklichen geführt. Soweit man als nicht unmittelbar Betroffener eines solchen jede menschliche Vorstellungskraft übersteigenden Verbrechens überhaupt angemessen mitfühlen kann...

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu unseren Übersetzungen und Deutungen. Qualifizierte Meinungen veröffentlichen wir gern, auch wenn wir sie nicht teilen sollten; hetzende, beleidigende, rechtsextreme, fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen landen dagegen im Papierkorb.

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Hauptinschrift

Deutscher Text

Hier stand die 1883 - 87 erbaute Hauptsynagoge der israelitischen Kultusgemeinde.
Sie wurde in der Zeit der Judenverfolgung im Juni 1938 abgerissen.
Am 10. November 1938 wurden in Deutschland die Synagogen niedergebrannt.

Gedenke dies
der Feind höhnte dich

Foto München Synagoge: Davidstern

74. Psalm
Vers 18

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Althebräischer Text

Der Text im Davidstern entspricht dem ersten Teil von Psalm 74, 18.

Foto München Synagoge: Text im Davidstern

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Übersetzung im Textzusammenhang (in Anlehnung an die „Züricher Bibel“ von 1942)

Die von mir in fetter Schrift dargestellten Worte entsprechen dem hebräischen Text, der ins Innere des Davidsterns gemeißelt wurde.

17

Du hast festgestellt alle Grenzen der Erde;
Sommer und Winter, du hast sie geschaffen.

18

Gedenke dessen, da der Feind schmäht, o Herr,
und törichtes Volk lästert deinen Namen.

19

Gib nicht dem Raubtier preis die Seele deiner Taube,
und vergiss nicht ewig des Lebens deiner Elenden!

Die Übersetzung von Vers 18 wurde von mir in Anlehnung an die „Züricher Bibel“ und unter Berücksichtigung des hebräischen Originals neu gestaltet, um den Satzzusammenhang besser sichtbar zu machen.

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Kommentar

Zwischen der Übersetzung der „Züricher Bibel“ (sowie meiner eigenen, daran angelehnten) und derjenigen, die in den Gedenkstein gemeißelt wurde, bestehen einige Unterschiede, die teilweise auf eine andere Interpretation hinauslaufen. Das Problem dabei ist vor allem, dass nicht jeder Passant die Zeit, Muße und Bibelkenntnisse hat, um die in Stein gemeißelte deutsche Übersetzung zu hinterfragen.

Um es von vornherein ganz deutlich zu sagen:

Meine folgenden Überlegungen zur vorliegenden Gestaltung dieser Inschrift soll weder die Verbrechen der Nazis und der von ihnen aufgeheizten Volksmassen beschönigen noch zum Vergessen dieser „alten Geschichten“ aufrufen. Die in ganz Europa von den Nazis industriell organisierte Erniedrigung und Ausrottung großer Teile der eigenen Bevölkerung und fremder Bevölkerungen darf nie vergessen werden, damit so etwas nie wieder vorkommt. Auch eine vielleicht nicht ganz gelungene Gedenkinschrift ist hier besser als gar keine. Man könnte sich höchstens überlegen, ob man nicht im Rahmen der kommenden Umgestaltung des Platzes in die Nähe des Gedenksteins eine erklärende Tafel stellt.

Nachtrag 2009: Inzwischen wurde der Platz der ehemaligen Hauptsynagoge völlig mit einer Erweiterung des benachbarten Kaufhauses überbaut, und der Gedenkstein wurde gut sichtbar und von allen Seiten einsehbar daneben aufgestellt.

Gedenkstein

Züricher Bibel

Abweichend vom hebräischen Originaltext im Davidstern wird die Person, an die die Bitte um Nichtvergessen gerichtet ist, nicht genannt. Der Passant, der die Übersetzung liest, muss denken, er selbst sei gemeint.

Aus dieser Übersetzung geht klar hervor, dass nicht der Leser oder Zuhörer, sondern Gott gebeten wird, etwas nicht zu vergessen.

Durch die extreme Verkürzung des Zitats und Nachahmung des lockeren hebräischen Satzbaus wird dem Passanten die Interpretation nahe gelegt, er solle die von ihm selbst in der Vergangenheit (z.B. unter Hitler) erduldeten Schmähungen nicht vergessen.

Das zu bedenkende Etwas sind nicht die Schmähungen des Feindes, sondern die in den vorangegangenen Versen 12-17 genannten Heilstaten Gottes von Anbeginn der Welt.

Aber selbst wenn man in den Schmähungen das zu bedenkende Etwas sehen will, dreht es sich um Schmähungen gegen Gott, nicht gegen Men­schen.

Dass der Passant anstelle des Gottesnamens den Ausdruck „höhnte dich“ liest, verstärkt bei ihm den Eindruck, dass es hier um die von ihm selbst er­lit­tenen Schmähungen geht.

Es ist eindeutig klar, dass es hier um Schmähun­gen und Lästerungen gegen Gott geht.

Die Schmähungen des Feindes werden hier in die Vergangenheit gelegt. Auch dadurch wird für den Pas­san­ten der Bezug zum vergangenen Holocaust nahe gelegt.

Die Schmähungen des Feindes geschehen jetzt, in der Gegenwart, und der nächste Vers bittet um Er­rettung vor dem immer noch das Land besetzenden Feind.

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Durch die oben aufgezeigten Abweichungen vom hebräischen Original könnte die deutsche Übersetzung (und fälschlich rückschließend auch das hebräische Original) von weniger bibelkundigen Passanten als eine Aufforderung an das Volk Israel verstanden werden, nie die Schmähungen seiner Feinde zu vergessen. Das wäre eine aus der leidvollen Geschichte der europäischen Juden verständliche und gerechtfertigte, aber in diesem Psalm nicht gemeinte und für unsere gemeinsame Zukunft eher unproduktive Interpretation.

Ich finde es gerade mit Blick auf unsere gemeinsam zu gestaltende Zukunft schade, dass man hier nicht eine weniger diskussions- und konfliktträchtige Textstelle genommen oder wenigstens den im hebräischen Text als „Adressaten“ genannten Gottesnamen genannt hat, um zynische Kommentare von seiten der ewig Gestrigen von jenseits des rechten Randes des demokratischen Wählerspektrums zu vermeiden.

Dass in Vers 18 auch an Gott nicht die Aufforderung zu ewigem Gedenken an von ihm erlittene Schmähungen (und wer weiß welchen Folgerungen) gestellt wird, wird plausibel, wenn man den Umtext des Verses anschaut: Unmittelbar vor dem zitierten Vers (Verse 12-17) liest man eine Aufzählung all der Wunder, die Gott im Laufe der Weltgeschichte geschaffen hat, und Gott wird angefleht, dieser seiner großen Werke zu gedenken, d.h. sich seiner Allmacht bewusst zu sein. Warum dies?

Um den Sinn des Ganzen zu erfassen, muss man den gesamten Psalm zu Rate ziehen und vor allem den Schlüsselsatz, der gleich im ersten Vers steht (zitiert nach der „Züricher Bibel“):

„Warum, o Gott, verstößt du uns auf immer,
flammt dein Zorn wider die Schafe deiner Weide?“

Es folgen ganz konkrete Angaben zu dem, was Israel gerade jetzt, zur Zeit der Entstehung des Psalms, widerfährt (und als Strafe Gottes empfunden wird): Ein eingefallener heidnischer Feind hält immer noch das Land besetzt, Gottes Heiligtümer im Land sind zerstört, und kein Prophet ist da, der dem Volk Israel sagt, wie es nach Gottes Willen weiter gehen soll.

In dieser konkreten, gegenwärtigen Situation ruft Asaph, der in Vers 1 genannte Autor des Psalms, Gott an, dass er doch sich seiner Allmacht bewusst sein und Israel von seinen und Gottes Feinden retten möge. Der (am Ende des Psalmes wiederholte) Hinweis auf  das Höhnen und die Schandtaten der Feinde ist als Hinweis auf die Dringlichkeit des Anliegens und sozusagen (man gestatte mir die lockere Ausdrucksweise) ein Appell an das Ehrgefühl Gottes zu verstehen, der sich all dies Schlimme aufgrund seiner Allmacht doch nicht gefallen zu lassen brauche.

Woher kommen die Schwierigkeiten bei der Übersetzung und der Interpretation dieses hebräischen Textes?

Wenn Sie Näheres zu den Argumenten erfahren wollen, die mich in Anlehnung an die „Züricher Bibel“ zu dieser Übersetzung und Interpretation geführt haben, klicken Sie bitte hier.

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Seitliche Inschrift

Übersetzung (nach der „Züricher Bibel“)

Sie haben dein Heiligtum in Brand gesteckt,
bis auf den Grund entweiht die Wohnstatt deines Namens.

Originaltext
(in althebräischer Sprache)

Foto München Synagoge: Seitliche Inschrift

Kommentar
  

Diese Inschrift enthält den vollständigen Wortlaut von Psalm 74, 7.

Sie nimmt den Inhalt einer anderen Inschrift des Gedenksteins wieder auf.

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Innere Inschrift 1

Originaltext (in althebräischer Sprache)

Es handelt sich hier um diejenigen der Zehn Gebote, die mit „Du sollst nicht“ beginnen, allen voran das Tötungsverbot (aus 5. Moses [Deuteronomium] 5, 17-21).

Foto München Synagoge: Innere Inschrift 1

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Übersetzung (nach der „Züricher Bibel“)

17

Du sollst nicht töten.

18

Du sollst nicht ehebrechen.

19

Du sollst nicht stehlen.

20

Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

21

Du sollst nicht verlangen nach dem Weibe deines Nächsten und nicht begehren nach dem Hause oder Acker deines Nächsten, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, nach seinem Rinde oder seinem Esel, nach irgendetwas, was dein Nächster hat.

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Innere Inschrift 2

Übersetzung (nach der „Züricher Bibel“)

Sie dachten bei sich: „Wir vertilgen sie allzumal!“
sie verbrannten alle Gottesstätten im Lande.

[Der in den Stein gemeißelte Teil des Verses wurde von mir fett dargestellt.

Die Übersetzung des ersten Teiles des Verses ist unsicher; manche Wissenschaftler meinen, dieser Versteil sei verstümmelt oder verfälscht, doch scheint eine Übersetzung ähnlich der oben gezeigten die qualifizierte Mehrheitsmeinung wiederzugeben.]

Originaltext (in althebräischer Sprache)

Es handelt sich hier um den zweiten Teil von Psalm 74, 8.

Foto München Synagoge: Innere Inschrift 2

Kommentar

Die Inschrift wurde hier auf das verkürzt, worum es bei diesem Denkmal vorrangig geht: das Gedenken an die Zerstörung des Got­teshauses. Damit nimmt sie den Inhalt einer anderen Inschrift dieses Gedenksteins wieder auf.

Dass diese Zerstörung nur der Anfang einer wüsten Barbarei war, zeigt der nicht eingemeißelte erste Teil des Verses: Wenn der Versteil auch wissenschaftlich nicht völlig geklärt ist, scheint hier die Absicht des Feindes aufzuscheinen, das Volk Israel auszurotten. Dies erklärt, warum die bloße Andeutung von Versen des Psalms 74 für einen Juden die Erinnerung an den Holocaust herauf beschwören muss.

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Literatur

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Anmerkungen

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Die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testaments, 1942

Diese Bibel galt im Protestantis­mus bis in die 1960-er Jahre als fortschrittliche Ablösung der Luther-Bibel.

Verlag der Zwingli-Bibel (Zürich), Buchhandel, theologische Uni-Bücherei

Stuttgarter biblisches Nachschlagewerk, Ausgabe 1950

Die papierne Suchmaschine: Wenn man in einer deutschen Bibel etwas sucht, findet man es hier drin.

Privilegierte württembergische Bibelanstalt, Buchhandel, theologische Uni-Bücherei

Biller/Rasp, München - Kunst und Kultur

Eigentlich ein ausführlicher und klar strukturierter Stadtführer, der gut als Nachschlagewerk geeignet ist. Aber zur ehem. Hauptsynagoge enthält er nur einen kurzen Satz (S. 165).

Siehe Besprechung.

Weitere Bücher sind eher als theologisch-orientalistische Fachbücher zu sehen. Wenn Sie an diesen interessiert sind, gehen Sie bitte nach Wer soll sich in Psalm 74, 18 woran erinnern?

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Ankunft mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Zur Ankunft nach München siehe Inschriften in München.

Steigen Sie an der U-Bahn- oder S-Bahn-Station Karlsplatz (Stachus) aus, gehen Sie über die Fußgängerzone (Neuhauserstraße) Richtung Marienplatz und biegen Sie in die erste Straße links ein (Herzog-Max-Straße). Das Denkmal befindet sich an der Einmündung dieser Straße in die Maxburgstraße, auf der rechten Seite.

Angaben zu öffentlichen Verkehrsverbindungen entsprechen unseren persönlichen Kenntnissen oder sogar Erfahrungen, aber wir können keinerlei Verantwortung für ihre Richtigkeit übernehmen. Wenn Sie diese Seite lesen, können sich in der Wirklichkeit Veränderungen ergeben haben.

Wenn Sie einen detaillierten Umgebungsplan für das Denkmal wünschen, klicken Sie hier. Als gesuchte Adresse können Sie nach Auswahl von München z.B. “Herzog-Max-Str. 4” eingeben.

Hans-Rudolf Hower 2002

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Häufige Fragen - Webmaster

Letzte Aktualisierung: 04.04.16