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Inschriften in Germering

Menetekel

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Die hier beschriebene Inschrift begleitet eine inzwischen stark angerostete Metallskulptur neben dem Kreisverkehr der Unteren Bahnhofstraße beim S-Bahnhof Germering-Unterpfaffenhofen. Dorthin führt ein Abzweig des Roten Fadens, der vom Sonnensymbol des Germeringer Marktplatzes zum ehemaligen Unterpfaffenhofener Rathaus führt.

Foto: Germeringer Menetekel gesamt

Gesamtansicht, im Hintergrund
der S-Bahnhof Germering-Unterpfaffenhofen

Anreise

Literatur

   

Fotos: Hans-Rudolf Hower 2006

Foto: Germeringer Menetekel Inschrift

Inschrift auf dem Betonsockel

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Inschrift

Originaltext

Menetekel

Margit Mallwitz 1997 / 98

Als Mahnung an die Menschheit
abstrahiert diese Skulptur unseren
Globus und fünf Punkte seiner
Gefährdung:

1. Luftverschmutzung
2. Wasserverseuchung
3. Ausbeutung der Natur
4. Radioaktive Gefährdung
    der Lebensvorgänge
5. Verlust des ökologischen Gleichgewichts

Der verwendete Stahl ist unbehandelt und
wird bewußt der Verwitterung überlassen.

Agenda 21

der Weg in eine zukunftsfähige Entwicklung
in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt
hier und weltweit

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Herkunft des Titels

Der Titel des Kunstwerks geht auf eine Stelle im Alten Testament der Bibel zurück, die von einem dramatischen Geschehnis bei einem Gastmahl des Königs Belsazzar berichtet: Plötzlich erscheint eine menschliche Hand, die etwas Unverständliches an die Wand schreibt. Der König gerät in Panik und lässt alle seine Wahrsager und Sterndeuter kommen, aber keiner kann die Inschrift verstehen. Auf Rat seiner Mutter lässt er schließlich den Propheten Daniel rufen, der schon unter Belsazzars Vater Nebukadnezar zu Ehren gekommen war. Daniel gibt folgende Erklärung (Daniel 5, 25-30, zitiert nach der Züricher Bibel):

25

Die Schrift aber, die da geschrieben steht, lautet: Mene, Mene, Thekel, Upharsin.

26

Und dies ist die Deutung der Worte: Mene, Gott hat dein Königtum gezählt und es preisgegeben.

27

Thekel, du bist auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden.

28

Pheres, dein Reich ist zerteilt und den Medern und Persern gegeben worden.

Die von mir kursiv gesetzten Wörter stehen in der Züricher Bibel gespreizt. In Vers 27 habe ich das in der Züricher Bibel stehende "erfunden" durch ein m.E. klareres "befunden" ersetzt.

Vers 29 zeigt die anscheinend einzige Maßnahme, die Belsazzar aufgrund der Unheilsprophezeiung trifft: Er erteilt Daniel eine außerordentliche Ehrung. Die Verse 30 und 31 berichten lakonisch, dass Belsazzar noch in derselben Nacht ermordet und der Meder Darius König wurde.

Den Grund für diesen Niedergang des Belsazzar kann man in den Versen 1-4 nachlesen: Als Geschirr für das Gelage des Belsazzar-Hofes wurden die aus dem Jerusalemer Tempel entwendeten heiligen Gefäße benutzt, was in den Augen der Juden einen ungeheuren Gottesfrevel darstellte.

Generationen von Predigern und Gläubigen fanden diesen Bericht des Buches Daniel so beeindruckend, dass die warnende Handschrift Gottes in der eingedeutschten Form "Menetekel" zum geflügelten Wort für eine göttliche oder schicksalshafte Warnung in letzter Minute (oder „fünf vor zwölf“) wurde.

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Kommentar

Wirklich schön ist es nicht, dieses Kunstwerk aus (inzwischen) rostigem Metall, aber das soll es auch nicht! Während interessierte Kreise immer wieder versuchen, eine Gleichgewichtigkeit der Themen innerhalb der Agenda 21 herbeizureden, nimmt diese Skulptur resolut Stellung für das m.E. wichtigste Thema der Agenda, nämlich die Umweltproblematik. Ohne die weltweit verbreitete und immer wieder verdrängte Einsicht, dass es für die Umwelt der Menschheit auf dieser Erde „fünf vor zwölf“ ist, hätte es nämlich nie eine Agenda 21 gegeben.

Die aufgeführten Gefährdungen unserer Erde (d.h. unserer einzigen wirklichen Heimat und Lebensgrundlage) sind leider ganz unterschiedlich im Bewusstsein der Menschen verankert, so dass ihre gemeinsame Aufzählung hoffentlich zu Aha-Erlebnissen bei PassantInnen führt: Während bei Luftverschmutzung (1) und Wasserverseuchung (2) vielleicht noch Einigkeit über deren Schädlichkeit besteht (was aber kaum einem Autofahrer den Fuß vom Gaspedal zieht), sieht leider nicht jeder in der Ausbeutung der Natur (3) etwas zu Unterlassendes (und ist damit in unheiliger Eintracht mit großen Teilen der Industrie - die gerade ihre im Umweltschutz liegende Zukunft verschlafen - und auch gewissen, zeitbedingt unwissenden Bibelautoren: „macht euch die Erde untertan"). Der Verlust des ökologischen Gleichgewichts (5) ist für den Mann (und die Frau) von der Straße sehr theoretisch und führt leider meist zu einer persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung mit starker Schieflage („Warum soll ich mich - noch dazu fast als einziger - in meinem Komfort in Deutschland beschränken, nur damit in der Arktis oder im brasilianischen Regenwald ein für mich uninteressantes Gleichgewicht bestehen bleibt?"). Besonders erfreulich ist, dass auch die Radioaktivität (4) hier als eine der großen Gefahren für die Menschheit aufgeführt wird, obwohl Teile der Großindustrie immer wieder behaupten, die Atomkraft wäre die umweltfreundliche Alternative zu den fossilen Energieträgern. Auch 20 Jahre nach Tschernobyl verbreitet dieser bisher einzige von Russland zugegebene atomare Großunfall in unvorstellbarem Ausmaß Krankheit, Siechtum und Tod zumindest unter der ukrainischen und der weißrussischen Bevölkerung (siehe hierzu Swetlana Alexijewitsch, Tschernobyl - eine Chronik der Zukunft). Und auch der „störungsfreie“ Betrieb von Wiederaufbereitungsanlagen zeitigt anscheinend immer wieder Krebs- und Leukämiefälle, - die in den Medien allerdings nicht die wichtige Rolle spielen, die ihnen zum Wohl der Bevölkerung eigentlich zukäme.

Geschickt hat die Künstlerin eine Klippe umschifft, die ihr Anliegen hätte scheitern lassen können: Anstatt selbst in die Welt hinauszuschreien, dass es höchste Zeit zur ökologischen Umkehr ist (was als persönliche Anmaßung einer Nichtfachfrau hätte interpretiert werden können), überlässt sie ihr Werk ungeschützt den Unbilden von Wind und Wetter. So hat sich die Skulptur innerhalb kurzer Zeit „von selbst“ in ein rostiges Mahnmal verwandelt, sozusagen in einen Aufschrei der Natur selbst. Irgendwann wird es in sich zusammenbrechen, - wenn nicht der Mensch fürsorglich eingreift...

Das „Menetekel“ ist damit einer der Bestandteile des Germeringer Gesamtkunstwerks, der nicht renoviert werden sollte. (Man hätte aber ein leichter lesbares und weniger vergängliches Schildchen zur Erläuterung des Ganzen wählen sollen. Schon heute, nach acht Jahren, ist es nur schwer zu lesen und noch schwerer zu fotografieren.) Zum Konzept des Gesamtkunstwerks siehe Künstlerisches Gesamtkonzept.

Zurück zu Daniel: Wenn man die Geschichte als historisch betrachten würde, müsste man sagen, Daniel hat Glück gehabt, denn in der Antike (und auch später) wurde der überbringer der schlechten Nachricht oft umgebracht, sozusagen als erste Problemlösung. Aber Belsazzar reagiert ähnlich wie moderne Politiker: Man ehrt den Warner und geht zur Tagesordnung über. Bis die angekündigte Katastrophe unerwartet eintrifft...

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Literatur

Autor / Titel

Anmerkungen

Info / Kauf

Die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testaments, 1942

Diese protestantische Bibel gilt als gelungene moderne Ablösung der Luther-Bibel.

Verlag der Zwingli-Bibel (Zürich), Buchhandel, theologische Uni-Bücherei

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Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Zur Anreise nach Germering und zum Roten Faden als Ausgangspunkt der Wegbeschreibungen siehe Inschriften in Germering.

Unmittelbar vor dem Kreisverkehr überqueren Sie den Bahnhofplatz, wo Sie am anderen Gehsteig bereits die große rostige Eisenfigur sehen.

Angaben zur Anreise entsprechen unseren persönlichen Kenntnissen oder sogar Erfahrungen, aber wir können keinerlei Verantwortung für ihre Richtigkeit übernehmen. Wenn Sie diese Seite lesen, können sich in der Wirklichkeit Veränderungen ergeben haben.

Hans-Rudolf Hower 2005

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Häufige Fragen - Webmaster

Letzte Aktualisierung: 31.07.19